Hochinteressant war das Panel mit europäischen Kleinverlagen - von denen dann aber nur zwei vertreten waren, nämlich die Albedo One-Macher aus Irland sowie Roelof Goudriaan, der in Belgien lebt und vor allem die niederländische SF-Szene seit langem begleitet und als Verleger tätig ist. Da das Publikum aber klein war, war es mehr eine Roundtable-Diskussion als ein Panel, so dass auch andere Fans, die mit Kleinverlagen verbandelt sind, die Gelegenheit hatten, ihre Ansichten zu äußern. Es war faszinierend zu sehen, wie sich manche Dinge gleichen: Sowohl die Iren, allen voran Bob Neilson und David Murphy, wie auch Roelof waren der Ansicht, dass es die Aufgabe der Kleinverlage sei “cutting edge” zu veröffentlichen - also all das “Neue und Frische”, an das sich große Verlage schon lange nicht mehr herantrauen würden. Gleichzeitig stimmten sie jedoch meinem Einwand zu, dass die Reputation der small presses darunter leide, dass mit Ankunft der digitalen Druckverfahren viele “junk presses” aufgetaucht seien, die irgendwelchen Mist publizieren und bei denen im Grunde Marktmechanismen nicht mehr wirken würden, da die Investitionskosten mittlerweile im Vergleich zu früher verschwindend gering seien. Die Iren vertraten vor allem die Auffassung, dass die SF derzeit ohnehin zunehmend in die Nische der Kleinverlage abgedrängt werde, da die großen Häuser nur noch Interesse an Fantasy hätten und kaum noch bereit seien, umfangreicher in die SF zu investieren. Man sei sozusagen nach den guten 80er Jahren derzeit wieder in einem abwärts verlaufenden Zyklus gefangen, und müsse jetzt überwintern, bis es wieder besser werde. Interessant ist auch, dass beide Verlagsvertreter vorwiegend Kurzgeschichten publizieren - die Iren in ihren Anthologien sowie in dem durchaus renommierten Magazin “Albedo One”, sie loben sogar jährlich den mit 1000 € dotierten Aeon-Award für die beste Kurzgeschichte aus, Roelof in vor allem gut aufgemachten HC-Anthologien - und kaum Romane, was nur zum Teil auch der Tendenz in der deutschen Kleinverlagsszene entspricht. Novellen, so meinen sie, seien auch eher schwierig.
Nach dem Panel hatte ich dann noch ein längeres Gespräch mit dem belgischen Autoren Alain de Bussy, der zwar Belgier ist, aber vorwiegend in französischen Verlagen publiziert, weil diese zumindest den wallonischen Markt in Belgien dominieren würden. Er erklärte mir, dass nach seiner Einschätzung der größten belgische Genreverlag sich glücklich schätzen würde, wenn er von einem Buch 500 Exemplare verkauft bekäme und das größte französische SF-Magazin auch nicht mehr als 1000 Exemplare verkaufe. Es wird also überall nur mit Wasser gekocht.
Das irische SF-Magazin “Albedo One”

Bob Neilson (links) und David Murphy (rechts) aus Irland

Eine eigene Art von Kleinverlag: Hubbard-Devotionalien en masse