Okt 31

Eigentlich ist Oktober ja Ikarus-Monat - doch diesen Monat nicht, denn der Band 32, ausgerechnet aus meiner Feder, erscheint leider etwas verspätet: Er liegt in der Druckerei und Guido Latz vom Atlantis-Verlag wartet täglich auf die Niederkunft, aber wie auch bei richtigen Geburten ist das mit den avisierten Terminen manchmal so eine Sache. Da passt es auch, dass ich erst diese Tage meine Exemplare des Bandes # 31 sowie des dritten Sonderbandes erhalten habe, Mongoleiaufenthalt sei Dank. Das neue Ikarus-Logo macht sich ganz hervorragend und dann noch im Verein mit einem Cover von Maestro Ernst Wurdack, das soll erstmal jemand besser machen :)

Ebenfalls eingetroffen auf meinem Bücherstapel ist “Andrade” von Armin Rößler, die Fortsetzung zu seinem Roman “Entheete”. Da mein Bücherstapel groß ist und mich allerlei berufliche Verpflichtungen zur Zeit vom Lesen abhalten, werde ich dazu sicher “zeitnah” nichts sagen können, aber gelesen wird er auf jeden Fall. Das Cover, erneut ein Werk aus der spätklassisch-expressionistischen Periode von Ernst “Salvadore” Wurdack, ist jedenfalls sehr, sehr ansehnlich.

Okt 24

Es gibt sie noch, nämlich “Tentakelschatten”-Rezensionen, und eine haben wir jüngst hier gefunden. “Tentakeltraum” ist mittlerweile im Lektorat und wird pünktlich im kommenden Jahr erhältlich sein. Es geht also alles seinen sozialistischen Gang :)

In den kommenden Tagen habe ich viel beruflich um die Ohren, so dass das Blog bis zum Wochenende erstmal wieder etwas pausieren muss, schließlich wollen die Providergebühren auch verdient werden. Leider habe ich in der Mongolei - ich hätte es voraus sehen sollen - keine Zeile im Manuskript zu “Kaiserkrieger” zu Papier gebracht, glücklicherweise jedoch nach meiner Rückkehr recht rasch wieder den Einstieg gefunden. Ich hoffe immer noch, den Großteil des Romans bis Ende des Jahres fertig gestellt zu haben.

Okt 23

… nachdem ich gestern meine Pflicht erfüllt habe und furchtbar on-topic war, hier ein paar wenige ausgewählte Fotos, die ich gemacht habe. Ich habe mich fast ausschließlich in der mongolischen Hauptstadt aufgehalten, also keine Bilder von unendlichen Steppen, wilden Yaks und schönen Jurten, sorry. Aber keine Angst, nur ein paar wenige.
Dass die Mongolen und die Chinesen eine Hassliebe vereint, lässt sich ja schon aus der gemeinsamen Geschichte deutlich ersehen. Als ich aber dieses Foto eines Fast-Food-Restaurantplakates machte, dachte ich mir, dass das jetzt doch etwas zu weit geht…

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Überall in der Stadt gab es ansonsten vor allem eines zu sehen: Dschingis Khan, den Nationalhelden. Dschingis-Bier, Dschingis-Wodka, Dschingis-Klopapier, Dschingis-Flughafen, das Flugzeug hieß Dschingis Khan, alles heißt Dschingis Khan. Kublai Khan ist übrigens bei den Mongolen eher unbeliebt, weil er damals seine Hauptstadt nach China verlegt hat.

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Reste der guten alten sozialistischen Zeit gibt es auch zu bewundern: So kann man noch ins Lenin-Museum gehen. Doch der finstere, ausbeuterische Kapitalismus mit seiner kulturfremden Primitivität hat auch vor dem ehemals Allerheiligsten der Mongolischen Volksrepublik nicht Halt gemacht: Das Gebäude wurde privatisiert und ist jetzt ein… Billardsalon! O tempora, o mores!

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Okt 22

Wie bei jedem meiner beruflich bedingten Auslandsaufenthalte, habe ich auch bei meiner Reise in die Mongolei versucht, mehr über den lokalen Buchmarkt und vor allem natürlich über die SF-Szene zu erfahren. Obgleich meine Zeit sehr begrenzt war, hatte ich die Gelegenheit, den größten Buchladen Ulan Bators zu besuchen und mich ein wenig zu informieren. Das Erste, was mir aber ins Auge fiel - an prominenter Stelle in der Buchauslage – war die mongolische Übersetzung von „Mein Kampf“, mit Hakenkreuz und Porträt des Führers. Ob die bayerische Landesregierung davon weiß? Scheint sich jedenfalls gut zu verkaufen.

Mit dem Ende der sozialistischen Zeiten ist auch der mongolische Verlagsmarkt erstmal kräftig zusammengebrochen. In den letzten Jahren, zusammen mit dem bemerkenswerten ökonomischen Aufstieg des Landes, hat sich das allerdings geändert. Dies hängt auch damit zusammen, dass der Druckereisektor des Landes eine massive Expansion erfahren hat: Moderne Druckstraßen und digitale Druckverfahren haben in den letzten 5-6 Jahren die antiken Maschinen aus sozialistischen Zeiten vollständig ersetzt. Und so konnten sich neue Verlage und neue Autoren etablieren. Es gibt eine Reihe von Heftromanserien – es sind klassische Digitaldruckromane, die umfangmäßig in etwa dem Heftroman entsprechen, im Erscheinungsbild aber dünne Paperbacks sind -, wenngleich diese sich auf den Krimi- und Liebesromanbereich konzentrieren. Internationale phantastische Autoren werden jedoch zunehmend übersetzt: Von Stephen King etwa sind in den letzten 2-3 Jahren vier Romane in mongolischer Übersetzung erschienen, und ich habe vor Ort eine in zwei Teilen publizierte Übersetzung von Poul Andersons „Time Patrol“ erworben. Da die Mongolen zu weiten Teilen noch des Russischen mächtig sind – wenngleich seit der Wende erste Fremdsprache in den Schulen Englisch ist -, wird noch relativ viel russische SF im Original als Importware verkauft. Dennoch gibt es eine kleine Szene mongolischer Phantastik-Autoren, die sich u. a. auch der SF widmen. Zwei Werke habe ich erstanden, zum einen ein Büchlein mit „Space-Lyrik“ des mongolischen Autoren Bayaraa, der schon seit vielen Jahren mit seiner SF-angehauchten Poesie publiziert wird und der aufgrund seiner Bekanntheit in einer Sonderedition zu den letztjährigen 800-Jahres-Feierlichkeiten (Dschingis Khan und so) eine Sammlung seiner Werke veröffentlichen konnte.

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Der mongolische Schriftsteller Naganbuu hat gerade in diesem Jahr einen Omnibus vorgelegt (schlicht betitelt mit „Drei Science Fiction Romane“). Leider konnte ich mich von der Qualität dieser Werke nicht selbst überzeugen, da meine Mongolischkenntnisse als äußerst begrenzt zu bezeichnen sind und ich auch des kyrillischen Alphabets nicht mächtig bin.

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Aber ich war erfreut zu erfahren, dass auch in einem sehr kleinen Buchmarkt wie dem Mongolischen – das Land hat etwa 2,5 Mio. Einwohner – die SF offenbar noch einen gewissen Stellenwert hat. Da fast alle lokal produzierten Romane, die ich in Buchläden vorgefunden habe, ganz offensichtlich mit digitalen Druckverfahren hergestellt wurden, muss von letztlich eher geringen Auflagen ausgegangen werden, was aber der Verbreitung des Angebotes keinen Abbruch tut: Ich habe etwa den Anderson in so ziemlich jedem Supermarkt mit Buchecke wieder gefunden. Je Band musste ich 4000 Tugrik berappen, was grob umgerechnet 2,50 € entsprechen dürfte.

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Okt 21

Worum geht es?

Im zweiten Band der “Tour of the Merrimack”-Serie wird es verwirrend: Aufgrund der verzwickten Zeitreise-Story in Band 1 werden Ereignisse geschildert, die eigentlich in Band 1 bereits stattgefunden hatten - oder eben auch nicht.

Wie sieht das Buch aus?

Ein etwas generisches SF-Cover, das keinem weh tut.

Wie ist der Stil?

Meluch schreibt wirklich anders - vor allem seine manchmal sehr kurzen, schlaglichtartigen Formulierungen sind relativ einzigartig. Das erhöht die Geschwindigkeit und die Spannung, wirkt manchmal aber auch gewöhnungsbedürftig.

Was gefiel?

Der Roman war spannend, abwechslungsreich und hat ein interessantes Setting. Die Charakterisierungen sind auch ungewöhnlich.
Was gefiel nicht so?

Dass im Grunde Handlungselemente wiedergekäut wurden, die “eigentlich” bereits bekannt waren.

Zu empfehlen?

Ich werde mir den dritten Band sicher auch zulegen. Ein schöner MilSF-Zyklus der etwas anderen Art.

Okt 20

Worum geht es?

Am Lebensweg eines Rekruten wird die Entwicklung eines interstellaren Kriegs und die Konsequenzen der Zeitdilatation beschrieben.

Wie sieht das Buch aus?

Ein erstaunlich dünnes Taschenbuch mit einem eher unauffälligen Cover.

Wie ist der Stil?

Haldeman schreibt schnörkellos aus einer sehr überzeugenden Ich-Perspektive, die einen aber erstaunlicherweise nicht sehr nah an den Protagonisten ran lässt.

Was gefiel?

Vor allem die Effekte der Zeitdilatation auf die umherreisenden Soldaten machen die Faszination dieses Romans aus.

Was gefiel nicht so?

Eigentlich nichts. Ein sehr rundes Werk, zurecht ein Klassiker.

Zu empfehlen?

Wenn man sich andere Romane des Subgenres anschaut - etwa “Old Man’s War” von John Scalzi - wird man merken, wie einflussreich Haldemans Werk gewesen ist und immer noch ist. Sollte man auf jeden Fall gelesen haben.

Okt 19

Deutschland hat mich wieder - und ich durfte nach meiner Rückkehr zufrieden feststellen, dass meine Abwesenheit keinerlei negative Auswirkungen hatte. Die DPP-Preisverleihung auf dem BuCon ist offenbar gut verlaufen, und das war ja das Wichtigste. Meinen herzlichen Dank an Mike Hillenbrand und sein Team sowie natürlich Hermann Ritter.

Ich werde in den kommenden Tagen ein paar Eindrücke aus der Mongolei online stellen, und natürlich auch etwas zum Thema Mongolische Science Fiction. Nicht, dass Ihr denkt, das wird hier eine Art Reisetagebuch :)

Hinweisen möchte ich noch auf die Tatsache, dass mittlerweile auf der Phantastik-Couch ein Artikel von mir zur deutschen Kleinverlagsszene online gegangen ist.