Wie bei jedem meiner beruflich bedingten Auslandsaufenthalte, habe ich auch bei meiner Reise in die Mongolei versucht, mehr über den lokalen Buchmarkt und vor allem natürlich über die SF-Szene zu erfahren. Obgleich meine Zeit sehr begrenzt war, hatte ich die Gelegenheit, den größten Buchladen Ulan Bators zu besuchen und mich ein wenig zu informieren. Das Erste, was mir aber ins Auge fiel - an prominenter Stelle in der Buchauslage – war die mongolische Übersetzung von „Mein Kampf“, mit Hakenkreuz und Porträt des Führers. Ob die bayerische Landesregierung davon weiß? Scheint sich jedenfalls gut zu verkaufen.
Mit dem Ende der sozialistischen Zeiten ist auch der mongolische Verlagsmarkt erstmal kräftig zusammengebrochen. In den letzten Jahren, zusammen mit dem bemerkenswerten ökonomischen Aufstieg des Landes, hat sich das allerdings geändert. Dies hängt auch damit zusammen, dass der Druckereisektor des Landes eine massive Expansion erfahren hat: Moderne Druckstraßen und digitale Druckverfahren haben in den letzten 5-6 Jahren die antiken Maschinen aus sozialistischen Zeiten vollständig ersetzt. Und so konnten sich neue Verlage und neue Autoren etablieren. Es gibt eine Reihe von Heftromanserien – es sind klassische Digitaldruckromane, die umfangmäßig in etwa dem Heftroman entsprechen, im Erscheinungsbild aber dünne Paperbacks sind -, wenngleich diese sich auf den Krimi- und Liebesromanbereich konzentrieren. Internationale phantastische Autoren werden jedoch zunehmend übersetzt: Von Stephen King etwa sind in den letzten 2-3 Jahren vier Romane in mongolischer Übersetzung erschienen, und ich habe vor Ort eine in zwei Teilen publizierte Übersetzung von Poul Andersons „Time Patrol“ erworben. Da die Mongolen zu weiten Teilen noch des Russischen mächtig sind – wenngleich seit der Wende erste Fremdsprache in den Schulen Englisch ist -, wird noch relativ viel russische SF im Original als Importware verkauft. Dennoch gibt es eine kleine Szene mongolischer Phantastik-Autoren, die sich u. a. auch der SF widmen. Zwei Werke habe ich erstanden, zum einen ein Büchlein mit „Space-Lyrik“ des mongolischen Autoren Bayaraa, der schon seit vielen Jahren mit seiner SF-angehauchten Poesie publiziert wird und der aufgrund seiner Bekanntheit in einer Sonderedition zu den letztjährigen 800-Jahres-Feierlichkeiten (Dschingis Khan und so) eine Sammlung seiner Werke veröffentlichen konnte.

Der mongolische Schriftsteller Naganbuu hat gerade in diesem Jahr einen Omnibus vorgelegt (schlicht betitelt mit „Drei Science Fiction Romane“). Leider konnte ich mich von der Qualität dieser Werke nicht selbst überzeugen, da meine Mongolischkenntnisse als äußerst begrenzt zu bezeichnen sind und ich auch des kyrillischen Alphabets nicht mächtig bin.
Aber ich war erfreut zu erfahren, dass auch in einem sehr kleinen Buchmarkt wie dem Mongolischen – das Land hat etwa 2,5 Mio. Einwohner – die SF offenbar noch einen gewissen Stellenwert hat. Da fast alle lokal produzierten Romane, die ich in Buchläden vorgefunden habe, ganz offensichtlich mit digitalen Druckverfahren hergestellt wurden, muss von letztlich eher geringen Auflagen ausgegangen werden, was aber der Verbreitung des Angebotes keinen Abbruch tut: Ich habe etwa den Anderson in so ziemlich jedem Supermarkt mit Buchecke wieder gefunden. Je Band musste ich 4000 Tugrik berappen, was grob umgerechnet 2,50 € entsprechen dürfte.