Ich tauche einmal kurz aus der Versenkung der Manuskriptbearbeitung auf und präsentiere Euch wieder einen süßen kleinen Schnipsel aus dem Roman:
„Wie sind die Frauen in deiner Zeit?“, fragte Julia und schob sich ein Stück Brot in den Mund. Volkert räusperte sich und überlegte, wie er die Frage beantworten konnte.
„Das ist ganz unterschiedlich“, meinte er schließlich lahm. „Das kommt darauf an, wo du welche triffst. Wenn du bei einer feinen Familie eingeladen bist, sind die Frauen meist genauso… zurückhaltend wie auch hier. Und auch bei uns ist der Mann ohne Zweifel der Herr im Haus, also, der Vater.“
Er runzelte die Stirn. „Aber in letzter Zeit gibt es da schon einige Änderungen, weil immer mehr Frauen Rechte fordern… ich glaube, es sind sogar einige im Reichsparlament.“
„Parlament?“
„Ah… so etwas wie der Senat. Aber alle Mitglieder sind vom Volk gewählt. Sie entscheiden vor allem über das Geld, das der Staat ausgeben darf.“
Julia verarbeitete diese Information. „So ähnlich wie im alten Athen?“
Volkert war in diesem Moment dankbar, dass er eine einigermaßen gute Schulbildung genossen und während dieser auch nicht auf den Kopf gefallen war. „Ja, nicht ganz so, aber so ähnlich. Ich glaube, im alten Athen hatten die Frauen nichts zu sagen.“
„Das haben sie im Senat auch nicht. Also nicht direkt. Ich glaube, meine Mutter sagt meinem Vater manchmal schon die Meinung und er macht dann im Senat das, was sie ihm… geraten hat. Aber das ist so wohl nicht gedacht.“
„Auch in meiner Zeit gibt es viele, die diesen… den Frauen, die mehr Rechte fordern… also, die das sehr seltsam, ja unangemessen finden.“
Julia schaute Volkert von der Seite an, einen nachdenklichen Ausdruck im Gesicht.
„Und du? Findest du das auch seltsam?“
Thomas Volkert beherrschte sich. Es war schlimm genug, dass er mit seinem Schiff offenbar 1500 Jahre in die Vergangenheit gereist war, jetzt musste er auch noch auf eine höchst liebreizende junge Dame treffen, die die römische Entsprechung von Clara Zetkin zu sein schien. Zumindest in etwa.