Und gemeint ist damit das Manuskript von “Rettungskreuzer Ikarus” # 37, an dem ich zur Zeit arbeite, ein Roman, der aber erst im Januar 2009 erscheinen wird. Es ist der Abschlussband des Outsiderzyklus und ich nähere mich langsam der 66 %-Marke. Das wird schon noch werden. Und hier ein Ausschnitt:
„Sie haben sich offenbar gut auf ihre Flucht vorbereitet“, bemerkte Akolyth Ersten Grades Samson Prekup und lehnte sich in dem Schreibtischstuhl zurück. Serbald stand neben ihm, die Arme verschränkt und mit sorgenvollem Blick. Prekup war einer der besten Computertechniker, die es an Bord der UHVO gegeben hatte, ein überzeugter Apostat und jemand, der vor dem durch Decorians Machtergreifung ausgelösten Schisma jahrelang auf Sankt Salusa in der Datenverwaltung tätig gewesen war.
„Was genau bedeutet das?“, fragte der Camerlengo nach. Obgleich ihm viele, vor allem ehemalige Mitläufer Decorians, als Erzprior ansprachen, verstand er sich weiterhin als nicht mehr als der „Premierminister der Kirche“. Er wusste, dass es wahrscheinlich unausweichlich war, vom kommenden Konklave zum Nachfolger Decorians gewählt zu werden – er hatte sich mit dieser wenig erquicklichen Perspektive bereits abgefunden. Aber es widersprach seinem Sinn für den richtigen Ablauf der Dinge, sich bereits jetzt so titulieren zu lassen. Bei Prekup musste er da keine Sorgen haben. Er entsprach dermaßen dem Klischee des Computergeeks, dass er nicht einmal auf die Idee gekommen war, sich respektvoll von seinem Platz zu erheben, als Serbald hineingeschneit gekommen war.
Das war diesem nur recht. Er war an Ergebnissen interessiert. Schade nur, dass auch Prekup ihm diese offenbar nicht liefern konnte.
„Also, die haben wirklich alles leergefegt. Ein effektives Säuberungsprogramm, und dort, wo ihnen das selbst zu riskant war, wurden die Speicher sogar physisch entfernt.“
Der Computerexperte wies auf die gähnenden Löcher in den Computerbänken des Rechenzentrums. Die Anhänger Decorians hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Verkleidungen wieder zu verschließen.
„Sie hatten es eilig.“
„Ja“, meinte Prekup, „aber das war keine Panikreaktion, es war vorbereitet. Ich werde weiter am Ball bleiben, aber ich glaube nicht, dass ich allzu viel finden werde. Aber ein paar schlechte Nachrichten habe ich schon mal.“
„Wie wunderbar. Was wäre es denn?“
Prekup grinste.
„Die Kontodaten habe ich als erstes einer mehrfachen Triangulation unterworfen. Es sind so einige Milliönchen verschwunden, will ich meinen. Eine genaue Summe weiß ich noch nicht und fragen Sie mich bitte nicht nach dem Wohin, aber da hat sich jemand ein nettes Pölsterchen verschafft.“
Serbald verzog das Gesicht.
„Pölsterchen, ja?“
Prekups Grinsen wollte nicht verschwinden.
„Nun ja, auch das ist keine Panikreaktion, das ist offenbar Geschäftspolitik unter Decorian gewesen. Sie konnten es nicht völlig verschleiern, da sie den Schotter ja irgendwo abzweigen mussten, aber sie haben es geschickt gemacht. Eine ordentliche Buchprüfung hätte es sicher herausgefunden, aber so lange Decorian die Oberaufsicht hatte, konnten er und Asiano sich so manchen Reptilienfonds schaffen, der furchtbar legal aussah. Für Waisenkinder und so.“
Serbald sah aus, als hätte er auf eine Zitrone gebissen. Die gute Laune Prekups angesichts dieser doch eher betrüblichen Nachrichten wirkte auf ihn eher deplaziert.
„Wann kennen Sie die genaue Summe?“
„Och ja, ein bis zwei Tage müssen Sie mir noch geben. Ich habe ein Rudel meiner Softwarebots durch das System gejagt und sie hecheln den Fakten noch hinterher. Decorians Leute haben auch ein paar falsche Knochen ausgeworfen, die müssen erstmal abgenagt werden. Aber schauen Sie doch übermorgen mal wieder vorbei.“
„Ja“, erwiderte Serbald. „Das werde ich tun. Gibt es irgendeinen Hinweis auf den Ort, zu dem Decorian geflohen ist?“
Der Kurierkreuzer hatte sich absetzen können, ehe die Jäger der UHVO ihn erreicht hatten. Dante war nicht erfreut gewesen.
„Nun ja…“ Prekup kratzte sich an seinen Bartstoppeln.
Serbald wurde wach. Er hatte ein glattes Nein erwartet.
„Und?“
„Ich will mich da nicht festlegen, echt nicht. Aber ich habe da ein Log für einen Flugplan, offenbar in Vorbereitung der Flucht erstellt und dann nicht ganz so akribisch gelöscht. Ich hab nur mal drüber geschaut, aber ich fand es schon komisch, dass der Flug sozusagen ins Nichts ging – in ein unbesiedeltes System ohne Planeten. Arsch der Galaxis.“
Serbald musste sich beherrschen, um dem Mann nicht die Hände um den Hals zu legen.
„Das hätten Sie sofort melden müssen!“
„Jaja, aber es war so viel los und Ihre Jungs wollen alle fünf Minuten was anderes von mir“, bequemte sich Prekup zu einer Antwort. „Ich hab Ihnen mal die Koordinaten aufgeschrieben, vielleicht schicken wir mal wen hin.“
Der Mann reichte Serbald ein Stück Verpackung, das wohl einstmals ein Automatensandwich enthalten hatte. Er hatte ein paar Zahlen darauf gekritzelt. Serbald nahm es mit spitzen Fingern in Empfang.
„Danke“, sagte er leicht entnervt. „Übermorgen dann.“
„Yep!“, war die einzige Antwort, die er noch bekam. Prekup war bereits wieder in seine Arbeit vertieft.
Serbald rannte förmlich davon, das Papier vor sich haltend.