“Tentakeltraum”, die Fortsetzung von “Tentakelschatten” wird in Kürze erscheinen und wie ich weiß, erfreute sich in Band 1 vor allem die Person des genialen Wissenschaftlers Dr. DeBurenberg großer Beliebtheit. Als kleines Schmankerl für die Freunde meiner Trilogie hier ein Ausschnitt aus dem Roman, in dem die besondere Freude, mit jemandem wie ihm zusammen arbeiten zu dürfen, gut offenbar wird:
„Capitaine, die Rechenleistung der Takamisakari ist ungenügend.“
Haark setzte sich und wechselte einen vielsagenden Blick mit Frazier, der ebenfalls im Raum war.
„Wir benötigen die vorhandenen Kapazitäten größtenteils zur Steuerung des SAL-Antriebes. Ich habe Ihnen zugeteilt, was möglich war.“
„Wären die von mir vorgeschlagenen Modifikationen umgesetzt worden, wäre es mehr.“
„Dafür war keine Zeit. Außerdem…“, Haark zögerte. „Außerdem hat außer Ihnen keiner verstanden, was Sie da eigentlich umbauen wollten.“
DeBurenberg nahm diese Erklärung mit einem Nicken zur Kenntnis. Dass die Welt um ihn herum aus Ignoranten bestand, war nichts Neues für ihn. Und Haark hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, als ignorant angesehen zu werden. So wusste jeder, wo er stand, und man konnte gleich zum Wesentlichen übergehen.
„Capitaine, ich benötige die vollständige Rechnerkapazität und den Zugriff auf meine Invasionssoftware sogleich nach unserem Eintritt in das Ambius-System.“
„Aber ich dachte, Sie hätten die Software noch nicht fertiggestellt!“
„Wann habe ich das gesagt?“
„Vor drei Tagen.“
DeBurenberg starrte Haark als Antwort nur an. Dieser stutzte, dann seufzte er.
„Ich verstehe, Sie sind mittlerweile damit fertig geworden.“
„Ja. Es wäre schneller gegangen, wenn…“
„… Ihnen mehr Rechnerleistung zur Verfügung gestanden hätte“, vollendete Haark seinen Satz, eine Angewohnheit, die DeBurenberg gar nicht schätzte und auf die er meist gereizt reagierte. Doch obgleich Haark wusste, warum das Genie sich so und nicht anders verhielt, ging der Mann ihm regelmäßig auf den Geist und er konnte nicht anders, als ihn zumindest etwas zu triezen.
Zum Glück war DeBurenberg nicht nachtragend.
Er wusste nicht einmal, was das ist.
„Also vollen Zugang gleich nach Eintritt? Wir benötigen Kapazität zur Auswertung der Sensordaten!“
„Zeichnen Sie auf, werten Sie später aus. Sie werden sowieso die wesentlichen Sachen nicht erkennen. Ich brauche jede Minute, die wir haben, um die Daten der Computerkommunikation des Feindes aufzufangen und auszuwerten. Das ist nicht passiv, das ist aktiv, und Funk ist langsamer als das Licht. Ich brauche Zugang zum Netzwerk des Feindes.“
„Den kann ich Ihnen nicht versprechen. Vielleicht haben sie auch gar keines.“
DeBurenberg sah Haark wie einen kleinen Jungen an.
„Unsinn. Sie benötigen eines, sobald sie ihre Herrschaft etabliert haben. Alles andere wäre höchst unlogisch und unwahrscheinlich. Ich muss es nur finden und hinein kommen, ohne dass der Feind es bemerkt.“
„Wie Sie schon richtig bemerkt haben, sind Funkwellen langsamer als das Licht, und wir werden am Systemrand auftauchen. Ich kann Ihnen nicht versprechen…“
„Bringen Sie mich in die Nähe einer Station oder eines Schiffes“, forderte der Wissenschaftler.
„Das ist zu gefährlich. Unser Schiff ist langsam, schwerfällig und wird bei Eintritt in das System glitzern wie ein Weihnachtsbaum. Ich muss…“
„Ich brauche Daten.“
„Die brauchen wir alle.“
„Meine sind die wichtigsten. Sie müssen tun, was ich sage.“
Haark schluckte die Erwiderung runter, die ihm auf der Zunge gelegen hatte. Er sah Frazier an, der hintergründig lächelte. Verdammt, Tamara Lik grinste offen! Die beiden „Betreuer“, wie er die Begleiter DeBurenbergs insgeheim nannte, schienen sich prächtig zu amüsieren.
„Doktor, ich werde tun, was ich kann.“
„Mehr ist wohl nicht zu erwarten“, kommentierte DeBurenberg. Haark wusste, dass das Genie dies nicht einmal verächtlich meinte – für den Wissenschaftler war dies nicht mehr als eine simple Feststellung, mit der er sich mit der Inferiorität seiner Zeitgenossen abfand.
„Ist das alles, Doktor?“
„Ja, Sie können gehen.“