Okt 31

Er merkt es daran, dass seine Werke stilbildend sind! Mit Freude durfte ich daher feststellen, dass Autorenkollegen darauf achten, zentrale Charakteristika meiner jüngeren SF-Werke zu Marketingzwecken einzusetzen. Mein kultureller Einfluss ist offensichtlich größer, als ich bisher gedacht habe.

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Okt 30

Obgleich ich als SF-Autor natürlich keine Probleme damit habe, mir vorzustellen, zu anderen Sonnensystemen zu reisen - für meine Protagonisten ist das meist eher Routine -, sind es reale Meldungen wie diese hier, die mir einen Schauer den Rücken hinunter rieseln lassen. Es ist ein gleichzeitig schönes wie auch beängstigendes Gefühl, wenn uns die Realität langsam einholt. Beängstigend wohl vor allem deswegen, weil man sich natürlich fragen muss, ab wann uns nichts mehr einfällt, das soweit in die Zukunft extrapoliert ist, dass es den modernen Lesern tatsächlich noch als SF erscheint…

Okt 29

Vielleicht kann mir da ja jemand helfen. Ich habe neulich für den US-amerikanischen Buchmarkt folgende Statistik der Romanumsätze nach Genres für 2007 gelesen:

Liebesromane: 1,375 Mrd. US$
Religiöse/spirituelle Literatur: 819 Mio. US$
Science Fiction & Fantasy: 700 Mio. US$
Kriminalromane: 650 Mio. US$
Klassische Literatur: 466 Mio. US$

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, wo genau eigentlich die Trennlinien zu ziehen sind, die Überschneidungen dürften bei genauer Betrachtung nicht unerheblich sein. Ich vermute mal, dass diese Statistik auf der Basis der Selbstkategorisierung der Verlage entstanden ist. Für den deutschen Markt habe ich mal eine Zahl gehört, nach der rund 60 % aller in Deutschland erscheinenden Romane Krimis seien. Hat jemand eine genauere Quelle, möglicherweise auch mit Umsatzzahlen? Das wäre doch mal interessant.

Okt 28

Heute hat der gute Martin Kay (aka Martin Knöpper) Geburtstag. Ich kenne den dicken Martin jetzt schon ein paar Jahre und wir haben gemeinsam viel durchgemacht, wenngleich meistens eher virtuell, da zwischen Dortmund und Saarbrücken doch ein paar Kilometerchen liegen. Martin jedenfalls ist ein weitaus erfolgreicherer Schriftsteller als ich, notabene als Verantwortlicher der “Vampir Gothic”-Reihe. Irgendwann bekomme ich ihn auch wieder herum, einen “Rettungskreuzer Ikarus”-Roman zu schreiben.

Martin gehört für mich zum Alltag - und sei es nur deswegen, dass wir uns dauernd diese kryptischen Mails mit mehrstelligen Zahlen zumailen, mit denen wir uns über unseren jeweiligen Fortschritt in Romanmanuskripten auf dem Laufenden halten. Auch sonst stehen wir beinahe jeden Tag in Kontakt. Ich stelle mir vor, dass wir beide mit 75 in das gleiche Altersheim ziehen und auf der Terrasse sitzend unsere dicken Bäuche vergleichen und knackigen jungen Altenpflegerinnen hinterher gucken. Irgend sowas. Oder wir verwirklichen unseren Traum und ziehen zusammen mit Oliver Naujoks und Guido Latz in unsere basismaskulinistische probiotisch-selbstbestimmte SF-Kommune. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Jedenfalls wünsche ich ihm alles Gute zum neu begonnenen Lebensjahr, und präsentiere als kleines Geschenk ein Kunstwerk, das auf dem BuCon 2005 entstand und Martin & mich in fröhlicher Eintracht zeigt (Kohle auf Papier, gerahmt, unbekannter Künstler).

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Okt 27

Im Forum von www.sf-fan.de wird bereits die Sinnhaftigkeit eines Lesezirkels zu “Tentakelsturm” diskutiert, obgleich ich noch gar nicht alle Hauptpersonen umgebracht habe. Nun lasst mich doch erstmal meine Arbeit machen. Jedenfalls bin ich jetzt definitiv im letzten Fünftel des Manuskripts angekommen. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, die Rohfassung im November abzuschließen, selbst noch einmal durchzusehen und dann flugs an den Verlag zu senden, der es dann noch einmal lektorieren lässt. Meine Hoffnung bleibt, dass das Buch möglicherweise zum DortCon erscheinen kann. Das wäre fein.

Hier ein kleiner Schnipsel:


Der Tentakelsinn für Ästhetik war sicher ein ganz anderer als der irdische, soweit man da überhaupt von einem gemeinsamen Nenner ausgehen konnte. Es war aber keinesfalls so, dass die Aliens nur seelenlose Roboter waren, die keinen Wert auf eine gefällige Lebensumgebung legten. Sicher, die unteren Hierarchien und Funktionen waren da anspruchslos. Doch viele der Gegenstände, die in die Mannschaftsquartiere geschleppt wurden, und die Tatsache, dass dort relativ viele höher einzustufende Aliens zu sehen waren, ließ darauf schließen, dass mit größerer Individualität und Autorität auch der Sinn für eine angenehme Umwelt stieg. Frazier meinte sogar, so etwas wie Kunstgegenstände, aber zumindest Zierart zur identifizieren, Dinge, die keinen unmittelbaren Nutzen zu erfüllen schienen, als schlicht „auszusehen“. Frazier vermochte nicht, dies mit einem Adjektiv zu qualifizieren, denn für ihn selbst bedeuteten diese Gegenstände nichts, aber der Eindruck drängte sich bei intensiver Beobachtung schlicht auf. Wahrscheinlich wäre es für Xenosoziologen oder Xeno-Anthropologen eine faszinierende Aufgabe, sich dieser Dinge zu widmen und daraus Rückschlüsse auf die Kultur der Tentakel zu schließen, die ohne Zweifel existierte und durchaus von individuellen Vorlieben geprägt zu sein schien. Dass dafür wahrscheinlich keine Zeit blieb und es diese Wissenschaften bisher auch noch gar nicht gab, ließ diesen Gedanken als müßig erscheinen.

Ja, die Tentakel waren fleißig.

Okt 26

Normalerweise bin ich ja derjenige, der mit den Kindern ins Kino geht. Oft genug ist das auch gar nicht schlecht, denn ich muss zu meiner Freude erkennen, dass die meisten Filme, die meine Kiddies sehen wollen, Genrefilme sind. “Die Unglaublichen” waren Superhelden, bei “Toy Story” gibt es Buzz Lightyear, in “Shrek” haben wir den modernen Fantasyfilm, “Herbie” hatte erkennbar SF-Elemente und “Wall-e” war reine SF. Selbst in “Winx Club” gab es Raumschiffe. Jetzt aber hat sich die Frucht meiner Lenden darauf versteift, unbedingt in “High School Musical 3″ gehen zu wollen. Als ich mich bereits mit der Aussicht anfreundete, erstmals in meinem Leben im Kinosessel zu sitzen und aus Ohren und Augen gleichzeitig zu bluten, kam Oliver “Frauenversteher” Naujoks mit der einfachen Idee, ich sollte doch mein Eheweib mit den Blagen hinschicken. Und siehe da: sie meldete sich freiwillig. Ein Fall für die Notaufnahme weniger. Danke, Oliver. Ich knuddel dich.

Okt 25

Von der Romanbeschreibung liest es sich wie eine etwas andere Version der Cassandra-Kresnov-Romane, aber das Cover hat was und verdient es, in die Blog-Annalen der besten SF-Cover aufgenommen zu werden: “Selling out” von Justina Robson. Mit Dank an Ulrich Blode für den pädagogisch wertvollen Hinweis (der hat auch nix anderes zu tun, tzes…)

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Okt 24

Während wir alle auf Dawn of War II warten, um für den Ewigen Imperator das häretische Aliengesocks vom Antlitz des Universums zu tilgen, habe ich “Dark Crusade” gespielt. Im Gegensatz zu den bisherigen DOW-Extensions wie “Winter Assault” ist das eher eine Art Risiko-Version des Spiels, mit dem Mann eine umkämpfte Kolonialwelt für seine Partei gegen eine illustre Schar von Feinden erobern muss. Dabei gibt es auch einige recht spannende und schwer zu gewinnende Szenarien, das Dumme ist nur, hat man die Kampagne einmal durch, bleiben einem “nur” viele weitere Gefechtskarten, die man so zum Spaß mal durchspielen kann. Aber immerhin, es hat Spaß gemacht und ich habe den Kauf nicht bereut. Jetzt habe ich hier noch “DOW: Soulstorm” liegen, mal schauen, ob das auch einigermaßen rockt, es sieht wie eine nur etwas andere Version von “Dark Crusade” aus, aber diesmal mit imperialen Chicks.

Okt 23

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich habe das Problem, dass ich Fehler in meinen eigenen Manuskripten kaum zu entdecken in der Lage bin. Da lese ich einen Text x-mal durch und der blöde Buchstabendreher oder das fehlende Komma, was mir in anderen Texten mit nacktem Hintern ins Gesicht springen würde, bleiben mir verborgen. Das ist ziemlich ärgerlich, vor allem dann, wenn ein Lektorat mir meine Texte in rote Farbe tunkt und ich haareraufend vor dem Rechner sitze, um das alles noch zu korrigieren. Ich habe mir daher vorgenommen, für “Tentakelsturm” mal ein paar Techniken auszuprobieren, die mir kürzlich empfohlen wurden, nämlich:

- den gleichen Text in anderer Schriftart und anderem Satzformat ausdrucken und lesen

- den gleichen Text nicht vorwärts, sondern rückwärts zu lesen - also von der letzten zur ersten Seite

- den Text laut vorlesen oder durch ein text-to-voice-Programm vorlesen lassen

Ob was davon klappen wird, meine Fehleridentifikation zu verbessern, kann ich noch nicht sagen. Aber ich denke, es ist wert, das einmal auszuprobieren.

Okt 22

Worum geht es?

Imre Bergamasc, Chef einer galaktischen Söldnertruppe, wacht nach mehreren Tausend Jahren wieder auf und stellt fest, dass die galaktische Zivilisation des “Kontinuum” untergegangen ist - und er selbst möglicherweise daran nicht ganz unschuldig. Dumm nur, dass er sich an absolut nichts erinnern kann.

Wie sieht das Buch aus?

Ein schönes Taschenbuch mit einem gefälligen Cover.

Wie ist der Stil?

Der australische Autor schreibt farbenfroh und hält eine hohe Geschwindigkeit ein, lässt aber manche der Protagonisten etwas blass aussehen.

Was gefiel?

Das Setting hat einen großen Reiz und das große Rätsel ebenso.

Was gefiel nicht so?

Manchmal überwog bei mir der “sense of disbelief” bei der Beschreibung des Kontinuums.

Zu empfehlen?

Ich habe den Folgeband schon im Regal stehen und werde ihn gerne lesen.

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