Im vierten Teil meiner Asylum-Werkschau haben wir es mit einem ganz besonderen Werk zu tun, denn mit “Allan Quatermain and the Temple of Skulls” greift Asylum gleich zwei, äh, Traditionslinien auf: zum einen zielt der Film, der seltsamerweise zum gleichen Zeitpunkt wie “Indiana Jones IV” herausgekommen ist, natürlich auf all jene strunzdummen Blödbolzen ab, die beim Griff ins Videoregal nicht verstehen, dass ein Film, der gerade in den Kinos läuft, noch gar nicht auf DVD raus sein kann. Zum anderen aber ist es keinesfalls Asylums Idee, die Indy-Filme durch Surrogate nachzumachen, in der Hoffnung, damit Geld zu verdienen: Es gab ja schon zu Indy-Hochzeiten zwei Quatermain-Verfilmungen mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle. Diese waren, wenn ich mich recht entsinne, jedoch budgetär gar nicht so schlecht ausgestattet und auch leidlich unterhaltsam. Das vorliegende Meisterwerk ist weder das eine noch das andere. Ach, dieser Film wäre die absolute Supergrütze, wenn da nicht eine Schauspielerin wäre: Wittley Jourdan. Die heißt hier im Vorspann übrigens “Wittly”. Im Nachspann zu “AvH”, wo sie ja auch auftauchte, heißt sie übrigens “Whittley”. Nun einigt Euch mal.

Das Bild muss jetzt sein: Wittley spielt die Haushälterin von Indy, äh, Allan, die sich nachher als Zulukönigin entpuppt. Kein Scheiß.
Also, worum geht es hier? Zwei bärtige Gesellen, die schnell sterben, finden bei einem Skelett eine Schatzkarte, die zu König Salomons Schatzhöhle führen soll, die im Film mal ein Tempel, mal eine Mine ist und mal bloß eine Höhle. Die Karte wird in zwei Teile gerissen. Eine Hälfte gerät in die Hände von Allan Quatermain, der ein Geldproblem hat und diese an den hiesigen Repräsentanten der südafrikanischen Nationalpartei verkaufen möchte. Der will aber die ganze Karte, so dass der Deal platzt. Bruder und Schwester eines englischen Adligen, der unlängst mit der anderen Hälfte der Karte im südlichen Afrika verschollen ist, bekommen davon Wind und heuern Quartermain an, ihnen bei der Suche nach dem Verschollenen zu helfen und bei der Gelegenheit natürlich die Schatzhöhle zu finden. Der Nationalparteifunktionär ist darüber nicht erbaut. In den ersten 45 Minuten versucht er, die Leute am Aufbruch zu hindern, was sich endlos hinzieht, weil die Actionszenen eher, naja, hausbacken sind. Das Ganze spielt auf einem alten Zug und in Quatermains Haus. Statisten waren übrigens zu teuer, also ist das alles eine sehr einsame Sache (außer Quatermain und der Schwester, Lady Soundso, gibt es in dem ganzen Zug KEINEN weiteren Passagier!).

Soviel zum Thema Action: Allan (links) schießt auf den Kreisvorsitzenden der NP (rechts). Und schießt daneben. Das muss man sich echt mal reinziehen. Der steht da dick in der Landschaft, der Zug fährt keine 30 km/h und unser Held ballert gnadenlos daneben. Ich musste dringend eine Bierflasche öffnen.
Schließlich aber bricht man auf: Allan, Sir Bruder, Lady Schwester und Wittley, die Haushälterin, die raunt: “I can help you, Sir!” Womit sie nicht Unrecht hat. Das massiv niedrige Asylum-Budget erweist sich erneut als Ursache für haarsträubende Unlogik. Sir Bruder lockt Allan mit dem Hinweis, dass er als Spross eines Adelshauses über unbegrenzte Geldmittel verfüge. Brauchen wir ein Flugzeug? Ein Auto? Kein Problem, sagt Sir Bruder, musst nur Bescheid sagen! Quatermain winkt ab. Er findet offenbar, die beste Fortbewegungsmethode ist…

… zu Fuß. Nein, die Bösen haben denen nicht die Pferde geklaut. Die laufen zu Fuß los, um halb Afrika nach der Schatzhöhle zu durchmessen. Shit, schaut Euch die Schotterstraße an: Da gibt es Autos! Und die gehen zu Fuß! Ich habe dringend noch ein Bier benötigt!
Man begegnet dem Angriff eines wütenden Hornissenschwarms, dann landet man bei einem wilden Stamm Zulus, die im Bunde mit dem NP-Funktionär sind (selten dämlich). Man wird gefangen genommen, und einer der Gefangennehmer wird vom König unter fadenscheinigen Gründen zum Tode verurteilt, damit eine magische Mordwaffe eingeführt werden kann: Der Kopfabreißer.

Schnapp: Einmal ergriffen, dann abgerissen. Kopfamputation mal anders.
Die Gefangenen entkommen dadurch, dass sich Wittley, die Haushälterin, als verkappte Zulu-Prinzessin entpuppt, die zusammen mit einer alten Mama den Aufstand gegen den König plant und damit Allan und Sir Bruder die Flucht ermöglicht. Der Parteifunktionär hat sich leider Lady Schwester geschnappt, also bleibt nur eines: Showdown in König Salomons Hütte. Ach so: Den verschollenen Bruder hat man auch in Gewahrsam der Zulus entdeckt. Eine große, glückliche Familie.

Ach, ach, wenn da die Jungs von Asylum mal hätten einsammeln können: König Salomons Schatz in der Höhle, viele Golddublonen. Was hätte man damit für einen schönen Film inszenieren können!
In dem Tempel (der eine große Tropfsteinhöhle ist, zumindest von innen) kommt es zum großen Endkampf: Der NP-Kreisvorsitzende stößt wüste Drohungen aus, Allan greift an und man balgt sich. Das ist dann der große Endkampf, glaube ich. Ich bin beinahe eingeschlafen. Es war zu erwarten, wie er endet: Die mitgeführte Kopfabreißklaue kommt zum Einsatz und unser NP-Vorsitzender wird sich für keine Landesliste mehr aufstellen lassen.

Da balgen sie sich im Sand. Gähn.
Natürlich passiert, was passieren muss: Nachdem der blöde Tempel Jahrhunderte völlig stabil und im Einklang mit allen Bauvorschriften da in Afrika rumstand, fällt er nun zusammen, so dass man ihm hektisch enteilen muss. Oh, bitte! Bitte! Muss das denn sein?

Blick zurück im Zorn: Nochmal zum Mitschreiben - dieser Tempel sieht von INNEN aus wie eine Tropfsteinhöhle und ist gerade EINGESTÜRZT. Gut, ich muss nicht alles verstehen.
Auf dem Rückweg kommt man im Zuludorf vorbei, wo sich alle nochmal vor Wittley verbeugen dürfen, was ich für völlig angemessen halte. Die Endszene ist echt die Krönung: Geschlagene fünf Minuten steht die versammelte Mannschaft vor der hoheitsvoll lächelnden Wittley und grinst sich und die Königin abwechselnd an. Und grins, und grins, und grins. Ich bin fast verrückt geworden. Kein Wort fällt. Die grinsen sich nur einen ab. Shit, so kann man auch einen Film füllen.

Wittley Jourdan, Königin der Herzen. Und vor ihr grinsen alle.
Was bleibt also zu diesem Film zu sagen? Erst einmal: er ist gar nicht wirklich schlecht. Der Hauptdarsteller, Sean Cameron Michael, macht sogar einen recht passablen Indy-Verschnitt ab, hat ein paar trockene Sprüche parat und passt eigentlich ganz gut. Auch die anderen Schauspieler sind nicht so übel, obgleich unser Parteifunktionär völlig einer Overacting-Infektion erlegen ist. Aber der gesamte Film ist vom Tempo so wie die bedauernswert kläglich langsame Eisenbahnfahrt zu Beginn: Es zieht sich alles endlos in die Länge, es ist furchtbar langweilig, unerheblich, wie ein Kaugummi. Der Film hat keine echten Höhepunkte (außer Wittley) und schafft es nicht, auch nur andeutungsweise so etwas wie einen Spannungsbogen aufzubauen. Er plätschert so vor sich hin und ist dabei nicht einmal erbärmlich genug, so dass man sich ärgern würde. Er ist schlicht nur eines: abgrundtief langweilig. Bis auf Wittley.

Sie ist und bleibt eine Süße.
Fazit: 4 von 10 Boompunkten. Zwei davon für Schnucki, zwei davon dafür, dass der Film eben nicht erbärmlich, sondern “nur” langweilig war. Auf eine genaue Laufzeitangabe verzichten wir heute, um Oliver zu ärgern.




















