Guido Latz ist, das wird jeder wissen, der ihn einmal persönlich kennengelernt hat, keiner, der sich in den Vordergrund drängt oder zum Protzen neigt. Das ist ein sehr sympathischer Charakterzug, führt aber leider im Umkehrschluss oft genug dazu, dass er hin und wieder auch sein Licht unter den Scheffel stellt. Als ich kürzlich darauf hinwies, dass 2009 doch eigentlich ein Jubeljahr ist, bekam ich von ihm das E-mail-Äquivalent eines Achselzuckens.

So geht das nicht.
Vor zehn Jahren hat sich Guido Latz gedacht, an seine alten Aktivitäten als Fan-Herausgeber anzuknüpfen, nur diesmal eine Stufe darüber. Ein wesentlicher Grund für diese Überlegung war die Tatsache, dass der Buchgrossist Libri mit seinem “book-on-demand”-Verfahren erstmals groß an die Öffentlichkeit gegangen war, und Guido, der alles andere als auf den Kopf gefallen ist, darin sofort eine Chance sah, günstig “richtige” Bücher herstellen zu können. Zu seinen ersten Projekten gehörte die materielle Form der Online-Horror-Serie “Frank MacLachlan”, aber bereits das zweite Projekt ist eines, das zu einem der Markenzeichen dessen geworden ist, was sich heute Atlantis-Verlag nennt: “Rettungskreuzer Ikarus”. Band 1 war für Oktober 1999 geplant, es wurde dann Januar 2000 (weil Libri nicht so schnell war), aber die Verlagsarbeit begann definitiv im Jahr vor dem Erscheinen, und damit feiert der Atlantis-Verlag (zu seiner Gründung noch unter dem Namen “Arkham Press” firmierend) in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum.

Wer die Entwicklung dieses Kleinverlages verfolgt hat, wird feststellen, dass sich in diesen zehn Jahren eine Menge getan hat. Obgleich Guido hin und wieder immer noch von etwas seltsamen herausgeberischen Anwandlungen befallen wird, kann man ohne Zweifel feststellen, dass diese zehn Jahre einen permanenten Prozess der Professionalisierung und Expansion darstellten. Angefangen als “Serienverlag” sah Guido recht bald das Licht und eröffnete die “Allgemeine Reihe”, die in kürzester Zeit zum Schwerpunkt des Verlagsprogrammes wurde (eigentlich ist von den ganzen Serienexperimenten mehr oder weniger nur noch “Rettungskreuzer Ikarus” übrig geblieben). Mit internationalen Autoren, Nominierungen und Gewinnen von deutschen SF-Preisen und Manuskripteinsendungen, die eben nicht mehr nur den hoffnungsvollen Jungautor repräsentieren, sondern auch so manchen “gestandenen” Schriftsteller, hat sich der Verlag in der Szene einen respektablen Platz erarbeitet.

Natürlich ist und bleibt Atlantis ein “Kleinverlag”. Aber wenn man sich die letzten zehn Jahre ansieht, und wenn man sich erlaubt, ein wenig zu extrapolieren, wo er in zehn Jahren stehen wird, dann kann man schon noch einiges erwarten. Ich habe bei Atlantis von Anfang an mitgemacht (weswegen man mich manchmal für einen Verlagsrepräsentanten hält, der ich eigentlich nicht bin), und es war manchmal aufregend, manchmal frustrierend und manchmal nervig (vor allem dann, wenn Generaldirektor Latz seine phlegmatische Phase hat und man ihm am liebsten in den Hintern treten würde). Aber es waren vor allem spannende, positive, spaßige und sicherlich stolze zehn Jahre, die Lust auf mehr machen.

2009 zeigt bereits, wohin die Reise geht: Mit Romanen von Oliver Henkel, dem Meister des deutschen Alternativwelt-Romans, mit Nominierungen zum KLP (für “Alles bleibt anders” von Siegfried Langer), mit der Weiterführung des von Heyne gecancelten Liaden-Zyklus von Sharon Lee & Steve Miller sowie einem bisher in Deutschland unveröffentlichten Roman von Robert Asprin… und es kocht, das darf ich sagen, noch so manches in den Töpfen des Verlages, was den Leserinnen und Lesern hoffentlich - nein, bestimmt! - munden wird.
Zehn Jahre Atlantis-Verlag.
Das hast Du gut gemacht, Guido!